Bericht Von der Quelle bis zum Fall unterwegs auf dem Lechweg 2016

Tiefblick von der Sonnalm ins Lechtal

Vom Formarinsee in Vorarlberg nach Tirol und weiter nach Bayern zum Lechfall in Füssen führt dieser Weitwanderweg durch die Wildflusslandschaft des Lech in der alpin geprägten Region des Lechtals. Sieben Tage lang, vom 25. Juni bis 02. Juli 2016, haben 16 Wanderer der Albvereinsortsgruppe Großbettlingen und ihre Gäste aus Nürtingen und Reudern den Lech auf einer Strecke von etwa 100 km begleitet. Auf Bergwegen, aussichtsreichen Höhenwegen, spannenden Holzstegen und Hängebrücken, sowie auf Naturwegen durch die artenreichen Flußauenlandschaften. Ein einzigartiges Naturerlebnis, bei dem die Gruppe die unterschiedlichen Lebensräume am Fluß, die Traditionen und Geschichte der Naturparkregion Lechtal-Reutte, sowie wahrlich sagenhafte Geschichten kennengelernt hat.

Lechwegtafel mit Kurzbeschreibung

Die Bergwelt des Lechquellengebirges um die Freiburger Hütte empfing die Wanderer mit strahlendem Sommerwetter am Formarinsee. Hier auf 1793m Höhe beginnt der Lechweg und führte nach dem Start vorbei am Steinbock-Denkmal. Es erinnert seit 1958 an die Wiedereinsetzung des Steinwilds, eine grosse Steinbock-Kolonie lebt hier,konnte aber leider nicht beobachtet werden. Eine Vielfalt farbenfroher Alpenblumen, wie die ersten zartlila Soldanellen nach dem Schnee, die sattgelben Teppiche der Sumpfdotterblumen in den Moorwiesen, tiefblauer Enzian bis hin zum gerade aufblühenden Frauenschuh und vielem mehr, begleitete den Bergpfad durch die Tobellandschaft entlang dem Formarinbach. Teilweise auf kühn angelegten Holzstegen, bis zum Zusammenfluß mit dem Spullerbach. Hier ist die Geburtsstätte des jungen Lech, den die Wanderer weiter begleiteten, durch Almwiesen und das Revier des Weideviehs, bis nach Lech am Arlberg. Bekannt als die Wiege des alpinen Skilaufs.

Enzian mit Alpenaurikel

Auf den Spuren der Walser wandelte die Gruppe auf der Etappe von Lech-Warth nach Steeg. Um 1300 siedelten sich diese Einwanderer aus dem Wallis dort am Fuße des Karhorns an. Die auf eine Höhe von 1719 m höchstgelene Walsersiedlung Bürstegg und das „Walserhus“ in Warth erinnern noch heute an die hohe Handwerkskunst der Walser. Über die schwingende Holzbrücke über den Krummbach gelangte die Gruppe auf den Höhenweg Richtung Steeg. Beeindruckend der Blick auf den Biberkopf (den südlichsten Punkt Deutschlands) und die Allgäuer Alpen im Bereich des Heilbronner Wegs. Fantastisch auch die Tiefblicke auf das dort enge Tal in das sich der Lech seinen Lauf gegraben hat und das Wasser immer wieder in allen Farben aufblitzen läßt. Beim Abstieg erreichten die Wanderer die enge Schlucht des türkisfarbenen wilden Lech bei Steeg. Mit einer kühnen Konstruktion wurde hier mit der Burgstallbrücke die Straße nach Lech am Arlberg über die Schlucht gebaut. Beim Kneippen im Lech ging der Wandertag humorvoll zu Ende.

Von Steeg führte der Lechweg die Wandergruppe nach Holzgau. Am Fluß entlang zum Jochwegfasserwall. Weiter auf schmalen Schotterpfaden durch die Flußauwälder mit ihren Schotterbänken und vielfältiger Flora. Besonders die Deutsche Tamariske, auch Rispelstrauch genannt, ist hier zu Hause. Mit bis zu zwei Meter tiefen Wurzeln hält sie auch Hochwasser stand und verhindert somit das abtragen von Erde und Kies.

Der Dorfplatz in Holzgau empfing die Gruppe mit „Prachtbauten“ aus der Zeit von 1780 bis 1840. Wohlhabend gewordene Händler ließen ihre Häuser mit farbenfroher spätbarocher Fassadenmalerei, auch Lüftlmalerei genannt, verzieren. Andererseits gab es genug Bauernfamilien, die nicht alle Familienmitglieder satt bekamen und deshalb ihre Kinder, die „Schwabenkinder“ zum Arbeiten in die Fremde schicken mußten.

Weiter ging’s durchs Höllbachtal, 100 Höhenmeter über dem Weg die spektakuläre Hängebrücke, zum Simmswasserfall. Aus 3 Richtungen rauschte hier beeindruckend das Wasser in das Becken des Höllbachs un die Schlucht hinaus zum Lech. Nach der Pause im Cafe Uta erwartete eine halbe Stunde später die Hängebrücke die Wandergruppe. Mutig wurde die Begehung angegangen und so mancher Tiefblick in die Höllbachschlucht riskiert. Entspannter führte ein Bergweg weiter durch die Blumen- und Moorwiesen der „Schigge“ über Holzgau. Der anschließende Höhenweg eröffnete weitere Tiefblicke auf Holzgau und den Lech, den die Gruppe am Ende der Wanderung auf der überdachten Holzbrücke bei Stockach wieder erreichte.

Hängebrücke über das Hölltal bei Holzgau

Von Stanzach nach Elmen und Häselgehr wurde der Lechweg in Gegenrichtung „gegen den Strom“ begangen. Am Lech entlang, anschließend auf Wald- und Wiesenpfaden wurde das Bauerndorf Vorderhornbach erreicht. Von beiden Seiten eingerahmt von den Bergen der Allgäuer und Lechtaler Alpen. Auf schmalem Pfad ging es weiter durch artenreiche bunte Blumenwiesen nach Martinau. Nun bergauf, mit herrlichem Blick auf die „Lechzöpfe“ und die Dörfer im Tal, auf den teilweise anspruchsvollen Panoramaweg nach Elmen und Häselgehr. Begleitet von tollen Ausblicken auf die Flußschleifen und Sandbänke, erreichten die Wanderer in stetigem Auf und Ab die Klimmer Brücke bei Elmen. Seit 2014 steht hier direkt über dem Lech das Gebäude der Verwaltung des Naturparks Tiroler Lech. Die Außenanlagen und die Ausstellungen im Gebäude vermitteln viele Informationen zu Fauna und Flora in der Wildflußlandschaft. Der Besuch war lohnenswert. Danach ein kurzer Anstieg und der Panoramaweg nach Häselgehr hatte die Wanderer wieder. Das strahlende Pink hunderter roter Waldvögelein, eine bei uns selten gewordene Orchidee, leuchtete aus dem lichten Bergwald und begeisterte bis zum Djoser Wasserfall. Sein Wasser kommt aus einer Felsgrotte und versiegt immer an St.Martin (11.November) um an St. Georg (23.April) wieder zu entspringen. Laut einer Sage ist ein Drache dafür verantwortlich.

Eine unbeschreiblich traumhafte Orchideensinfonie erlebten die Wanderer in den feuchten Auwäldern zwischen Stanzach – Forchach – Weißenbach und Höfen. Mindestens neun Arten (rotes Waldvögelein, Wintergrün, Knabenkräuter, Händelwurz, weiße Waldhyazinte, Pestwurz, Großes Zweiblatt, Fliegenragwurz) blühten in einer unglaublichen Anzahl, teilweise in Teppichen, wie nie zuvor gesehen. In großen breiten Schleifen, den „Lechzöpfen“, mäandert hier der Lech mit viel Platz. Schöne Rastplätze luden zum Schauen und Vögel beobachten ein, die Hängebrücke bei Forchach bietet eine weitere Perspektive. Viel Treibgut (Holz, Wurzelwerk, Bäume usw.) lag auf den riesigen Schotterbänken, eine wahrhaft völlig andere Welt.

Die Jöchelspitzbahn bei Bach brachte die Wandergruppe auf eine Variante zum Lechweg, hoch zur Sonnalm auf 1800 m Höhe. Herrlicher Rundblick bot sich in die Lechtaler Alpen und die Seitentäler. Der Tiefblick ins Tal reichte von Steeg bis Elbigenalp. Der Botanische Lehrpfad mit detaillierten Blumenbeschreibungen führte hinauf zum Lechtaler Bergbauern Museum. Hier konnte man sich in das früher mühevolle Leben der Bergbauernfamilien versetzen. Wieder zurück an der Talstation führte der Lechweg die Gruppe in den Benglerwald zu den Edelweißfeldern der Familie Haderer. Im Schatten der Scheune erzählte Daniela Haderer von Ihrer Idee und was sie in reiner Handarbeit aus den Edelweiß herstellt. Die Verkostung von Edelweißsirup und Edelweißwodka, sowie der Besuch auf den Feldern war ein Erlebnis für sich. Heiter und beschwingt ging es weiter zum Seesumpf, hinunter nach Bach und am Lech entlang nach Elbigenalp.

Das geografische Zentrum des Lechtals liegt genau hier in der Mitte zwischen Reutte und Lech am Arlberg. Das Dorf von Königin Marie, der Mutter von König Ludwig II, die hier viel Zeit verbrachte. Geburtsort von Anna Stainer-Knittel, genannt „Geierwally“. Hochburg von Schnitzkunst, Kunsthandwerk und Bildhauerei. Auch viele Sagen, wie die vom „Bluatschink“ dem Lechungeheuer, den weißen Frauen und viele mehr sind hier zu Hause. Bekannt ist auch die Geierwally-Freilichtbühne.

Am Anreisetag hatte die Gruppe dies alles bei einer ersten kleinen Tour erkundet und für eine Woche in Elbigenalp Quartier bezogen.

Der Abreisetag läutete mit der Fahrt nach Füssen das Finale der Wanderwoche ein. Auf einer Besichtigungstour durch Füssen gelangte die Gruppe zum Maxsteg über dem Lechfall, dem Endpunkt des Lechweges. Über fünf Stufen stürzen die Wassermassen hinein in eine enge tiefe Klamm. Beeindruckend wurde hier noch einmal bewußt, „Wasser ist Energie“ und Energie bringt Leben, um so eine Landschaft mit allen Sinnen zu erleben.

Bildernachlese:

Holzschnitzereien in Elbigenalp    Lechauen bei den "Lechzöpfen"    In den Lechauen Spullerbach

Formarinsee mit Freiburger HütteAuf dem Höhenweg nach Lechleiten

Über den Krummbach, links der Pfad nach Lechleiten    Lech-Warth, Beginn der Etappe nach Steeg    Zum "Geburtsort" des Lech

Auf dem Höhenweg nach LechleitenDer Weg zum "Simmswasserfall"

Lechfall am Maxsteeg in Füssen